Standing Ovations für Weltklasseleistungen

Als Alice Layher nach ihrem Abgang den Boden berührte, blieb es nur für den Bruchteil einer Sekunde ruhig – dann sprang sie vor Freude gleich noch einmal in die Höhe. Die 24-Jährige, in den Tagen von Aachen bislang strikt im Tunnel, ließ nach einer perfekt gelungenen Kür den Emotionen freien Lauf. Die Halle tobte, der Applaus schwoll rhythmisch und laut an, bis es schließlich niemanden mehr auf den Plätzen hielt: stehende Ovationen für eine Weltklasse-Darbietung, die wenig später für ihre Artistik sogar einmal die Traumnote 10,0 erhalten sollte. Im Mittelpunkt des Jubels: Layher, ihr Pferd FBW Candy und Longenführer Daniel Zembrot. Mit der Tagesbestmarke von 9,357 Zählern in der Kür und 9,041 Punkten in der Gesamtwertung stand fest: Alice Layher ist Weltmeisterin – der Lohn für unermüdliches Training. „Ich habe unglaublich viel Arbeit in diese Kür gesteckt“, sagte Layher sichtlich erleichtert. „Und ich bin super happy, dass das von außen auch so wahrgenommen wird.“

Großen Respekt vor Layhers Leistung zeigte die bis dahin Führende Kathrin Meyer, die als eine der Ersten zur neuen Weltmeisterin eilte. Zuvor hatte die 25-Jährige gemeinsam mit ihrem Capitain Claus OLD und Longenführerin Gesa Bührig eine Vorstellung gezeigt, die sie selbst tief bewegte. „Ich bin noch nie in eine so laute Arena eingelaufen“, so die zweifache Europameisterin mit Blick auf das vollbesetzte Stadion 3 im Allianz Park. „In meiner Kür hat heute alles geklappt. Ich bin sehr stolz und super dankbar für mein Team.“ Die Richter honorierten ihre Darbietung mit 9,116 Punkten. Im Gesamtklassement gewann sie damit Silber (8,862) – und sicherte sich bei ihrem letzten Championatsauftritt zugleich die erste WM-Einzelmedaille ihrer Karriere.

Hinter Layher und Meyer machte Annemie Szemes den deutschen Dreifachtriumph perfekt. Mit ihrem 13-jährigen Westfalen Rubinio, longiert von Nina Vorberg, zeigte die 24-Jährige am Finaltag eine konzentrierte, ausdrucksstarke Kür. Die Wertung von 8,814 Punkten katapultierte sie von Rang vier noch auf den Bronzerang. „Ich war super happy mit meiner Prüfung. Aber dass es am Ende für eine Medaille reicht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Szemes.

Quentin Jabet erfüllt sich einen Herzenswunsch und ist am Ziel seiner Träume

2022 gewann er WM-Silber, 2024 ebenso. Jetzt, hier in Aachen 2026, hat sich für Quentin Jabet ein Lebenstraum erfüllt. Der Weg dorthin war für den Franzosen allerdings ein Wechselbad der Gefühle. Noch am Vortag war er nach einem Fehler im Technikprogramm am Boden zerstört, doch im entscheidenden Moment, in der finalen Kür, lief der 23-Jährige zur Höchstform auf. Sein Erfolgsrezept: ein Satz seines Vaters. „Mein Vater hat gestern zu mir gesagt: Du bist am besten, wenn der Wettbewerb hart ist“, berichtete Jabet. Auf diese Worte habe er vertraut. „Heute habe ich wirklich jeden Moment in dieser fantastischen Arena genossen“, sagte er im Anschluss – und den Eindruck hatten wohl auch alle, die seine Kür miterleben durften. Mit seinem ausdrucksstarken, von viel Gefühl getragenen Programm begeisterte Jabet Publikum und Richter gleichermaßen. Für seine Darbietung auf dem international erfahrenen Estado IFCE, longiert von Loic Devedu, erhielt er die starke Wertung von 9,122 Punkten – mehr als genug, um sich auch im Gesamtklassement an die Spitze zu setzen. Mit einem Endergebnis von 8,794 Punkten krönte Quentin Jabet seinen langen Anlauf mit dem ganz großen Erfolg.

Über Silber durfte sich dank eines Gesamtergebnisses von 8,508 Punkten das niederländische Ausnahmetalent Sam Dos Santos freuen. „Ich bin super zufrieden“, strahlte der 20-Jährige nach seiner gelungenen Kür (8,449) mit Hero und seiner Schwester Emy als Longenführerin. „Die Atmosphäre hier ist wirklich etwas ganz Besonderes, das war eine großartige Erfahrung.“ Ebenso glücklich war der Deutsche Bela Lehnen, der sich mit einem Gesamtergebnis von 8,448 Punkten die Bronzemedaille sicherte. Nach seiner starken Kür auf Belistano HF, longiert von Alexandra Knauf, die mit 8,617 Punkten bewertet wurde, rang er um Worte: „Ich habe das noch gar nicht realisiert“, gab der 22-Jährige zu. „Ich wollte es heute einfach genießen, in diese tolle Atmosphäre einzulaufen. Da bekommt man wirklich Gänsehaut. Dass ich jetzt hier mit einer Medaille stehe, ist einfach unglaublich.“

Die Deutsche Gruppe dominiert auch die WM in aachen

Beste Pflicht am Donnerstag, beste Kür am Samstag – das Sextett aus Deutschland ließ keinerlei Zweifel daran, wer auch 2026 der souveräne Weltmeister bei den Gruppen ist. Nach einer herausragenden Darbietung auf ihrem bewährten Ecuador NRW an der Longe von Alexandra Knauf, die mit 8,745 Punkten bewertet wurde und zu einem Gesamtergebnis von 8,477 Punkten führte, kannte der Jubel bei Gianna Ronca, Philip Goroncy, Larina Herpertz, Yara Jolie Scheel, Bela Lehnen und Fabio Ring kein Halten mehr. Das Stadion stand Kopf, rhythmisches Klatschen und euphorische Jubelrufe begleiteten die Athleten im Zirkel. „Die Stimmung war wirklich außergewöhnlich“, brachte Bela Lehnen die Emotionen seiner Teamkollegen auf den Punkt. „Wir sind wie eine Familie. Wir weinen zusammen, wir lachen zusammen. Heute werden wir definitiv zusammen lachen.“ Hinter den alten und neuen Weltmeistern sicherten sich die Gruppen aus Frankreich (8,200) und Österreich (7,900) die Silber- bzw. Bronzemedaille.  Quelle: Pressemitteilung ALRV vom 15.August 2026