Foto: Koen Vereecke (BEL) mit Quinoa de la Linière © Pferdefotografie Stefan Lafrentz
Hochspannung bis zum letzten Ritt
Das CSI3* Championat von Neumünster, präsentiert von Performance Sales International, entwickelte sich am Samstag der VR CLASSICS zu einem packenden Duell im Stechen. Neun Paare hatten sich nach fehlerfreien Umläufen für die Entscheidungsrunde der internationalen Weltranglisten-Springprüfung über 1,55 Meter qualifiziert – am Ende setzte sich der belgische Championatsreiter Koen Vereecke durch. Die Plätze zwei und drei gingen mit Hannes Ahlmann und Tomma Thiesen an zwei Reiter aus Schleswig-Holstein.
„Der Plan hier zu reiten, entstand vor ein paar Wochen. Nächste Woche starte ich in Göteborg, und Neumünster liegt auf dem Weg dorthin – eine ideale Station zur Vorbereitung. Die Halle hier ist dafür perfekt“, erklärte Vereecke nach seinem Sieg.
Das Stechen verfolgte er mit großem Respekt: „Ich habe die Runde von Tomma Thiesen gesehen – die war wirklich schnell. Auch die ersten beiden Starter waren zügig unterwegs. Aber als ich dann eingeritten bin, hat einfach alles gepasst. Mein Pferd ist von Natur aus sehr schnell.“
Über seine Sportpartnerin ergänzte er: „Sie kam mit siebeneinhalb Jahren zu mir, und wir haben sie Schritt für Schritt bis Grand Prix Niveau aufgebaut. Sie ist inzwischen mehrere Große Preise gegangen, war unter anderem Zweite in einem 1,60 Meter-Grand Prix in Opglabbeek. Im Sommer bin ich sie auch auf der Global Champions Tour in Riesenbeck geritten.“
„Das Publikum hier ist unglaublich. Ich glaube, die Pferde spüren das genauso. Die Menschen sind sehr herzlich und unterstützen jeden Reiter. Aber gegen die Deutschen hier zu gewinnen, ist schon eine gefährliche Aufgabe.“
Stolz auf Madness
Die letzte Chance, Vereecke noch von der Spitze zu verdrängen, hatte Hannes Ahlmann. Mit dem erst neunjährigen Madness ritt der Schleswig-Holsteiner eine couragierte Runde, verpasste die Bestzeit jedoch knapp und wurde mit 34,66 Sekunden Zweiter. „Ich bin erstmal unheimlich stolz auf mein Pferd. Madness ist erst neun Jahre alt. Ich habe heute mal versucht, ihn einen Schritt weiter zu bringen. Er hat letztes Jahr einen Mega-Job gemacht, war Vize bei der Deutschen Meisterschaft der U25-Reiter. Aber das hier in der Halle ist noch einmal eine andere Nummer“, erklärte Ahlmann.
Bereits im Umlauf habe ihn sein Pferd begeistert: „Als letzter ins Stechen zu gehen, man merkt, wie die Stimmung hier brodelt. Ich habe meinen Plan ein bisschen umgeschmissen – erst wollte ich gar nicht so angreifen. Vielleicht habe ich dadurch von Sprung eins auf zwei einen Galoppsprung zu viel gemacht. Aber dann bin ich richtig in den Flow gekommen, und Madness hat es mir super angeboten.“ Der hochtalentierte Kannan-Sohn bekommt jetzt erst einmal eine wohlverdiente Pause. Ahlmann wird im Großen Preis der Volksbanken Raiffeisenbanken am Sonntag auf seine Stute Tokyo setzten.
Erster internationaler Erfolg für Thiesen
Für die 20-jährige Tomma Thiesen bedeutete Rang drei den größten Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Entsprechend emotional fiel ihr Fazit aus: „Das war das erste Mal für uns beide auf diesem Niveau zu reiten. Ich bin einfach nur begeistert, wie Django Riff gesprungen ist und für mich gekämpft hat. Das ist hier mit der Atmosphäre nicht ganz leicht für ihn, aber er ist so toll bei mir geblieben. Er ist durchaus auch schon schnellere Runden gegangen, deshalb sind wir das Stechen so angegangen, als hätten wir nichts zu verlieren. Es war einfach eine super gleichmäßige, flüssige Runde – er sprang wieder vom Feinsten.“
Besonders bewegend sei für sie die Kulisse gewesen: „Wenn man aus Holstein kommt, ist dieses Turnier ein riesiges Highlight. Ich habe mich so gefreut, hier dieses Jahr das erste Mal international reiten zu dürfen. Meine ganze Familie und viele Freunde sind da. Das ist einfach ein super schönes Gefühl, wenn alle mitfiebern und das Publikum hinter einem steht.“
Auch Veranstalter François Kasselmann zog ein positives Fazit der Prüfung: „Ich glaube, alle Stechteilnehmer haben uns heute großartigen Spitzensport gezeigt. Genau das macht unsere Veranstaltung aus: dass wir jungen Talenten die Chance geben, mit internationalen Topstars zusammen – oder auch gegeneinander – anzutreten. Ich denke, heute hat man einmal mehr gesehen, wie gut dieses Konzept funktioniert.“
