Miquel Canals Ripoll: Eine Europameisterschaft auf beiden Seiten des Parcours

Miquel Canals Ripoll Foto: © Patricia Welp

Für Miquel Canals Ripoll sind die FEI Jumping European Championships in dieser Woche mit keinem anderen Turnier vergleichbar. Der 21-jährige Spanier vertritt nicht nur sein Heimatland in der Altersklasse der Jungen Reiter, sondern hat in den vergangenen Monaten auch dabei geholfen, die bislang größte Veranstaltung auf der Anlage von Sportpferde M&M Haunhorst vorzubereiten.

Bevor er sich vollständig auf den sportlichen Teil der EM konzentrieren konnte, war Ripoll hinter den Kulissen daran beteiligt, die heimische Reitanlage in einen internationalen Championatsplatz zu verwandeln. „Es ist ein ganz besonderes Gefühl“, sagt er lächelnd. „Ich weiß, wie viel Arbeit in der Organisation steckt. Deshalb bedeutet es mir sehr viel, nun auch selbst hier an den Start zu gehen.“

Ripoll kam im Januar als Bereiter zu Sportpferde M&M Haunhorst, nachdem er zuvor bereits einige Jahre in Deutschland verbracht hatte. Die Gelegenheit, in einem der bekanntesten deutschen Turnierställe für Nachwuchsreiter zu arbeiten, wollte er sich nicht entgehen lassen. „Sie haben mir hier eine gute Stelle angeboten und ich bin sehr glücklich. Es ist ein großartiger Ort, um sich als Reiter weiterzuentwickeln.“ Sein Arbeitstag beginnt morgens um 7.30 Uhr. Nach der Stallarbeit reitet er zwischen zehn und elf Pferde. Die Mahlzeiten werden gemeinsam mit der Familie eingenommen. „Die Tage sind lang“, sagt er. „Aber wenn man liebt, was man tut, fühlt es sich gar nicht so lang an, weil man jeden Moment genießt.“

Von Mallorca nach Deutschland

Ripoll wurde auf Mallorca geboren und wuchs weit entfernt von den traditionellen Zentren des europäischen Springsports auf. Die Baleareninsel ist eher für ihre Strände als für den Pferdesport bekannt. Dennoch kam er schon früh mit Pferden in Berührung. „Mein Vater betreibt dort eine Reitschule und hat sein ganzes Leben mit Pferden zu tun. Ich habe mit ungefähr zwölf Jahren angefangen zu reiten.“ Ausgerechnet die Pferde waren zunächst jedoch nicht seine große Leidenschaft „Am Anfang mochte ich sie gar nicht besonders“, erzählt er lachend. „Aber als ich erst einmal angefangen hatte zu reiten, hat es mir sehr viel Spaß gemacht und ich wollte immer besser werden.“

Auf Mallorca waren die Möglichkeiten, sich sportlich weiterzuentwickeln, allerdings begrenzt. „Es gibt dort nicht viele große Turniere oder Spitzenreiter. Deshalb wusste ich, dass ich die Insel verlassen musste, wenn ich mich weiter verbessern wollte. Wenn ich ein Ziel habe, gebe ich alles, um es zu erreichen.“ So entschied sich Ripoll bereits im Alter von 18 Jahren, Mallorca zu verlassen und allein auf das europäische Festland zu ziehen. Seine eigenen Pferde blieben bewusst zu Hause. „Ich wollte mich vollständig auf die Pferde des jeweiligen Stalles konzentrieren, damit ich sie bestmöglich ausbilden und weiterentwickeln kann.“

Eine Europameisterschaft auf heimischem Boden

In dieser Woche vertritt Ripoll Spanien gemeinsam mit Eldorino PS, einem talentierten achtjährigen Wallach von Eldorado van de Zeshoek aus einer Carinue-Mutter, der im Gestüt Lewitz gezogen wurde. Zunächst wurde Eldorino PS von Max Haunhorst international vorgestellt. Als Ripoll in den Stall kam, übernahm er das Pferd und erhielt damit die Möglichkeit, bei größeren Turnieren und in anspruchsvolleren Prüfungen an den Start zu gehen.

Auch die Geschichte dieser Partnerschaft ist eng mit Hagen a.T.W. verbunden. Martin Haunhorst entdeckte den Wallach vor drei Jahren bei einer Auktion während des Nachwuchs-Nationenpreisturniers Future Champions 2023 auf dem benachbarten Hof Kasselmann. Ausgerechnet bei den Future Champions sicherte sich Ripoll in diesem Jahr auch seinen Platz im spanischen Team der Jungen Reiter. „Wir hatten in diesem Jahr bei den Future Champions einige wirklich solide Runden“, berichtet Ripoll. „Eldorino ist unglaublich vorsichtig, verfügt über das nötige Vermögen und ist sehr intelligent. Er ist genau der Pferdetyp, den ich mag und gut verstehe. Das Gefühl, das er mir beim Reiten gibt, ist einfach großartig.“

Zwei Rollen unter einen Hut bringen

In den letzten Wochen vor der Europameisterschaft musste Ripoll seine reguläre Stallarbeit, die Vorbereitungen für die Veranstaltung und das Training für eines der bislang wichtigsten Turniere seiner Karriere miteinander verbinden. „Ich versuche, so viel wie möglich bei der Organisation zu helfen und den anderen die Arbeit ein wenig zu erleichtern. Gleichzeitig muss ich mich aber auf die EM konzentrieren und dafür sorgen, dass mein Pferd in perfekter Verfassung ist.“ In dieser Woche hat Eldorino PS selbstverständlich Vorrang. „Aber wenn ich mit ihm fertig bin, gehe ich zurück in den Stall und reite einige meiner anderen Pferde, denn sie starten bereits in der kommenden Woche wieder auf einem Turnier.“ Teamarbeit gehört seit jeher zur Philosophie von M&M Haunhorst. „Wenn alle als Team zusammenarbeiten, wird vieles einfacher. Die meisten Menschen sehen gar nicht, wie viele kleine Details zusammenkommen müssen, um ein Championat dieser Größenordnung zu organisieren. Melanie und Martin haben großartige Arbeit geleistet. Die Bedingungen sind für die Reiter und Pferde sehr angenehm und alle fühlen sich wohl.“

Der Blick auf die Europameisterschaft

Auf seine Erwartungen für die kommenden Tage angesprochen, bleibt Ripoll realistisch. „Ich vertraue meinem Pferd vollkommen. Wir haben viel trainiert und ich weiß, dass wir gut vorbereitet sind. Am Ende ist es eine EM und alles kann passieren. Wenn aber alles zusammenpasst und wir unseren Plan umsetzen können, glaube ich, dass wir ein sehr gutes Ergebnis erreichen können.“ Seine Ziele reichen jedoch weit über die Europameisterschaft dieser Woche hinaus: „Ich möchte eines Tages meinen eigenen Stall aufbauen, Pferde ausbilden, mit Kunden arbeiten und mich selbst als Reiter immer weiter verbessern.“ Auch das Unterrichten spielt in seinen Zukunftsplänen eine wichtige Rolle. „Wenn ich nach Mallorca zurückkehre, gebe ich dort sehr gerne Unterricht. Ich möchte die nächste Generation unterstützen und all das weitergeben, was ich hier in Deutschland und während meiner bisherigen Laufbahn gelernt habe. Wenn ich meine Erfahrungen an junge Reiter weitergeben kann, würde mich das sehr glücklich machen.“

Quelle: FEI Jumping European Championship Vom 19. bis 26. Juli 2026 Pressemitteilung Ute Raabe und performance & passion – Media Agentur im Reitsport Kirsten Maier