Hans-Joachim Begall (Foto: Margot Schöning)

Achim Begall im Ruhestand

Hans-Joachim Begall, Sonja Rach und Familie

Über eine halbes Jahr genießt Achim Begall schon seinen Ruhestand nach 16 Jahren als
Geschäftsführer des Landes Pferdesportverbandes von Mecklenburg-Vorpommern.

Seinen Start in den Ruhestand feierte er mit der Familie und vielen Pferdefreunden.
Obwohl am 13.Januar 2018 schon 65 geworden, zog Achim Begall seinen beruflichen Schlussstrich
erst am 1.September. Claudia Krempien, aktive Richterin, ehemalige Turnierreiterin, jetzt
Freizeitreiterin und Züchterin, steht nun an der Verbandspitze.

Einen Tag nach seinem letzten Arbeitstag lud Achim Begall ins Restaurant Gulbis nach Witzin zu einer fröhlichen Feier.

Er habe neben seinem ersten Tag als Pensionär und dem 65. Geburtstag auch einen ganz besonderen
Feiergrund, erzählte er so fröhlich, wie ihn viele erleben. Zusammen mit seiner ebenfalls 65-jährigen
Lebensgefährtin Sonja Rach gelte es 130 Lebensjahre zu zelebrieren. Seit fünf Jahren leben sie
zusammen in Bützow, gut 45 Kilometer von Rostock entfernt.

Achim und Sonja kennen sich schon seit 51 Jahren. Den ersten Kuss gab es in der Schulzeit. Dann trennten sich die Wege. Das kommt in den offiziellen Laudatios kaum vor. Auch nicht, dass Achim ein Familien-mensch ist, der seine Freunde über alles, geradezu anhänglich schätzt.

GOLDENE EHRENNADEL des MV Landesverbandes

Als wandelndes Pferdelexikon kennen ihn Wenige. In der Pferdeszene hingegen wird er oft um Rat
gefragt. Der Schweizer Journalist Max E. Ammann, Begründer des Weltcups der Springreiter und
Gespannfahrer (anfangs Volvo-Weltcup), sowie jahrelanger Weltcup-Direktor, schätze Achims Rat
sehr. Ebenso sein langjähriger Freund, der renommierte Parcoursbauer Wolfgang Meyer, der mit
seiner Frau unter den Geburtstagsgästen weilte. Mit ihm, dem passionierten Skipper, segelte Achim
zwar nicht um die halbe Welt, aber in vielen europäischen Gewässern.

Auch Mecklenburgs Verbandspräsident Dr. Burkhard Dittmann saß in der fröhlichen Runde. Am Tag zuvor hatte er Achim Begall offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Wohl wissend, dass das sicher eher ein Unruhestand wird.

„Nichts tun entspricht nicht seiner Natur“, so Dr. Dittmann. Vor großer Kulisse
hatte er Achim Begall beim 29.Landesturnier in Redefin die GOLDENE EHRENNADEL des
Landesverbandes ans Revers geheftet. Die silberne Plakette bekam er bereits zu seinem 60.
Dittmann dankte dem einstigen Pritzwalker und zuvor langjährigen Kreisvorsitzenden von Oberhavel
für 16 Jahre erfolgreiche Entwicklung des Mecklenburger Pferdesportverbandes. Achim Begall habe
maßgeblich die Verbandarbeit geprägt, sehr sachverständig, objektiv, kollegial und vor allem
verlässlich. Seit dem 1. Oktober 2002, als er die die Geschäftsführung des Landespferdesportverbandes in Mecklenburg-Vorpommern übernahm, stiegen die Mitgliederzahlen von 7.750 auf mittlerweile 9.255 an. Bestens vernetzt in der bundesdeutschen Pferdesportszene und den FN-Gremien verhalf er dem MV Landesverband zu Ansehen.

Hans-Joachim Begall beim Liebenberger Pferdeforum mit Holger Wulschner und Paul Schockemöhle

 

Späteinsteiger auf Höhenflug

In seiner Jugend hatte Achim mit Pferden nichts am Hut. Er sieht sich selbst als Späteinsteiger.
Auch deshalb, weil während der Schulzeit in der Kleinstadt Pritzwalk im Landkreis Prignitz keine
Pferdesportsektion existierte. Zum Horseman entwickelte er sich peu a peu während des
Agraringenieurstudiums Tierzucht in Zierow unter Ulrich und Angelika Elsholz. Dem voraus
gegangen waren drei Semester Mathematik an der Berliner Humboldt-Universität.

Mit 26 Jahren ritt er 1979 in Wulkow sein erstes Turnier. Erfolge in Springen bis M** und Dressur bis L stellten sich ein, stets geritten für die BSG Kremmen. Zum letzten Mal starte er 2016 in Plaaz bei Güstrow.

Über die Warmblutzucht im thüringischen Gestüt Meura schrieb er seine Abschlussarbeit. Danach arbeitete er im VEB Trabergestüt Staffelde und in verschiedenen DDR-Organisationen. Ab 1986 schrieb er für Tageszeitungen, später auch für Pferdesport-Journale wie dem DDR-Verbandmagazin "Pferd und
Sport“. Achim Begall war beim 1948 gegründeten „Bauernecho“ angestellt, unter dem wohl
bekanntesten Print-Pferdesportjournalisten „Schille“, Wolfgang Schilhaneck.

Journalismus war stets Begalls nebenberufliche Domäne. Er berichtete von allen Weltreiterspielen außer 2018, von vielen Weltcup-Finals wie Del Mare, Las Vegas, Los Angeles oder Kuala Lumpur. Nur die
Olympischen Spiele fehlen ihm noch. Nicht zu vergessen ist, dass er von Beginn bis zur Auflösung
des DDR-Regionalverbandes Brandenburg Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit war und
danach den Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg mit begründete.

Noch immer steht er ehrenamtlich dem RFV Staffelde in Brandenburg und dem RC Passin in Mecklenburg-Vorpommern vor, in dem auch der langjährige Bundes-Kaderreiter Holger Wulschner Mitglied ist.

Gleich nach der Wende legte er die Richterprüfung ab. Inzwischen richtet er bis zur höchsten Klasse S im
Springen, bis Klasse M in der Dressur und bis zur Klasse A im Fahren und agiert bei Trainer- und
Richterprüfungen. Als Steward fungierte er bei vielen internationalen Turnieren, seit 2015 auch in
Aachen.

Hans-Joachim Begall mit Manfred Genske auf dem Richterturm

Er wirkte als Turnierleiter, Prüfer in der Ausbildung von Richtern, Trainern sowie Berittführern.  Gern wurde und wird er als Richter eingeladen. Viele Turnierveranstalter freuen sich schon, dass Achim als Pensionär dafür wieder mehr Zeit haben dürfte.

Auch Sonja sieht ihn gern als Offiziellen bei Pferdesportveranstaltungen. So ganz ohne Amt, nur Zuhause oder auf den zeitlich nunmehr möglichen, längeren Vergnügungsreisen, das „mache ihren lieben Achim grummelig“, meinte sie schmunzelnd. Achim hingegen möchte  nunmehr als Pensionär den DDR-Pferdsport geschichtlich weiter aufarbeiten und hofft auf Unterstützung aus allen Reiterkreisen.

Fotos: Margot Schöning

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