Eingang zum Gutengermendorfer Pferde- und Hobbymarkt (Foto: Margot Schöning)Eingang zum Gutengermendorfer Pferde- und Hobbymarkt (Foto: Margot Schöning)

Wallfahrt zu Pferden, Plüsch und Plunder

 

Am Eingang

Zu einem Volksfest rund ums Pferd strömten am zweiten Oktoberwochenende wieder Tausende
zum traditionellen Pferde- und Hobbymarkt ins brandenburgische Gutengermendorf.

Besucher

Die Organisatoren des 250 Seelendorfes bei Löwenberg und ihre gut 100 Helfer mussten in diesem
Jahr kein Stoßgebet zum Wettergott schicken. Ein mehr als goldener Herbsttag bot sonnige
Wohlfühltemperaturen und zog mehr Besucher an als je zuvor, die zum bedeutendsten Pferdemarkt im
Land Brandenburg, dem Pendant zum traditionellen Havelberger Pferdemarktes in Sachsen-Anhalt kamen.
Zum ersten Mal grüßte am Eingang ein überdimensionales, aufgeblasenes Gummipferd.

Das Gummipferd

Die ersten der 250 Händler warteten schon um vier Uhr auf Einlass, der sich um Punkt 8 Uhr  für die Besucher öffnete. Einige der Marketender aus Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt,
Thüringen und Polen reisten einen Tag früher an, um einen guten Platz auf der einzigen Dorfstraße zu
ergattern. Vorteilhaft erwiesen sich die inzwischen vier großen Feldparkplätze im Norden, Westen,
Süden und im Dorf selbst. So gab es für die ambitionierten Schaulustigen keine langen Wartezeiten.
Dafür reichlich Staub auf den zum weitläufigen Parkplatz abgeernteten, knochentrockenen Feldern
und zeitweise Stau schon ab der B 96. Wer sich fußlahm fühlte, nicht bis zum Dorfzentrum laufen
oder mit rappelvollen Taschen zurück zum Auto wollte, den kutschierten zwei Kremser von der
Straußenfarm Winkler im Löwenberger Land. Vor allem rollte das Landvolk neben reichlich Berlinern
zum faszinierenden Marktrundgang an, zum Sehen und Gesehen zu werden, zum Kaufen und
Feilschen, nicht vordergründig zum Pferd. Auch Autokennzeichen anderer Bundesländer blinkten.
Bei Grillwürsten, Kassler, Spanferkel, bei Pferdewurst und Rossbouletten, Käse- oder Fischbrötchen,
reichlich Getränken, wie seltenen Biersorten, tratschten alte Bekannte, die sich alle Nase lang über
den Weg liefen.

Amüsiert bestaunt und auch gekauft wurden die vielen Nippes, alte Haushaltsgeräte, getragene Kleidung, homöopathische Heilsalben, gebrauchte Sättel und Trensen.

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Rund um die Feldsteinkirche aus dem 13.Jahrhundert krähten, piepten und mauzten Kleintiere wie Hundewelpen, Tauben, Hühner, Gänse sowie exotische Ziervögel, alle oft in sehr kleinen Käfigen oder
Gitterverschlägen und mit nach Hause genommen in unter den Arm geklemmten Pappkartons.

70 Rösser, vor allem Kleinpferde und sogar Esel, warteten in der Dorfmitte auf dem sonstigen
Kinderspielplatz auf einen neuen Stall. Es heißt, die Hälfte davon fand ein neues Zuhause, wie stets
per Handschlag und sofort für Bares.

Der beliebte und unter anderem wegen seiner Kinderferienlager renommierte Ponyhof bot ebenfalls, allerdings propere Verkaufspferde an, obendrein zur Freude aller Kids Ponyreiten.

Wie viele „Hottehüs“ wirklich über die Rampe gingen, war schwer zu schätzen.
Marktleiter Ralf Brinkmann und Tierarzt Eckhard Schönberg, beide Gutengermendorfer, taxierten,
dass bis Mittag ein Drittel der Rösser den Besitzer wechselte. Die anderen standen wie schon oft bis
zum Marktende gegen 17 Uhr angebunden an der Spielplatzumzäunung, allerdings gut mit Heu,
Stroh und Wasser versorgt. Tierarzt Eckhard Schönberg, der keinen ohne Veterinärbescheinigung auf
den Markt ließ, hatte nichts zu beanstanden. Das war nicht immer so. Unweit der wundervollen
Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhunderte boten im Dorfzentrum die Frauen der Kirchengemeinde
und der Kita preiswerten, stets neu herangeschafften Hausfrauenkuchen, die Freiwillige Feuerwehr
den beliebten Erbseneintopf aus der Goulasch-Kanone. Die Berliner Country- und Western
Lifeband „Chili“ sorgte für zusätzliche Stimmung. Zu ins Bein gehende Klängen bewegten sich mit
ausgefeilten Schrittfolgen die unaufgefordert von weit und nah angereisten Line Dancer und boten so
amüsantes, kostenloses Open-Air-Tanztheater. Die geduldigen Vierbeiner, ob Pony, Großpferde, Esel
oder die Welpen hingegen waren auf jeden Fall von 8 bis 17 Uhr die Streichelobjekte der durchgängig
zufriedenen, kleinen und großen Marktgäste. Deshalb sollte man sich schon heute den 12. Oktober 2019 vormerken.

Fotos: Margot Schöning

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